Gefühle sind Lebensenergie

Lebensenergie will sich ausdrücken. Gefühle sind eine Form diese Ausdrucks. Und jede Energieform will überwiegend fließen, in Bewegung sein. Ganz wie ein Fluss, mal still, mal sehr lebhaft oder gar atemberaubend intensiv.

Gefühl – in anderen Sprachen oft mit Emotion (engl., frz.) übersetzt, kommt aus dem lateinischen: emovere (dt. herausbewegen, emporwühlen). E könnte aber auch passenderweise für Energie stehen und Motion für Bewegung (engl. motion), also Energie in Bewegung. Daher stehen Synonyme wie das Meer oder generell das Wasser tiefenpsychologisch symbolisch für die Gefühle.

Eine weitere Ähnlichkeit zum Wasser und zum Energiefluss ist die Kraft und der Eigenwille. Starke Gefühle sind ebenso schwer zu kontrollieren und zu bändigen wie das Meer oder ein Gebirgsfluss. Das gilt insbesondere für die tieferliegenden, unbewussten Gefühle.

Sie können, wenn sie vom Tagesbewußtsein (oder für ein Kind: von seiner nahen Umgebung) abgelehnt werden, ins Unterbewusstsein verdrängt werden. Dort entziehen sie sich erst mal oder viele Jahre bzw. Jahrzehnte der eigenen bewussten Wahrnehmung. Doch jede weitere Verdrängung im Tagesgeschehen lässt sie im Unterbewusstsein (dem inneren „Keller“) weiter wachsen.

Unbewusste, verdrängte und aufgestaute Gefühle, die lange Zeit nicht fliessen durften, können sehr stark werden. So stark, dass sie sich schließlich über Körpersymptome (psycho-somatisch) bemerkbar machen. Oder ausbruchartig (als starker Affekt) zum Ausdruck kommen und kaum mehr kontrollierbar scheinen.

Sie zu heilen heißt dann: zu lernen, ihnen bewusst und akzeptierend zu begegnen. Die darin gebundene zunächst oft destruktive Lebenskraft aus dem inneren Keller zu befreien und ihr nach und nach den Raum, Platz und auch die angemessene Form im Alltag zu geben, die sie braucht.

So kann sich die Kraft der Gefühle sich in unsere eigene Kraft zurückverwandeln und für uns statt gegen uns erfahren werden.